Fionas Erfahrungsbericht

Meine Schwerhörigkeit – wie alles anfing

Es wurde mir gesagt, dass ich schon schwerhörig geboren wurde. Die Ursache sei ein Infekt in den ersten Schwangerschaftsmonaten meiner Mutter gewesen. Ich bin auf beiden Seiten etwa gleich schwerhörig. Meine Schwerhörigkeit fiel meinen Eltern auf, weil ich eine verlangsamte Sprachentwicklung hatte und ich beim Sprechen die Konsonanten zum großen Teil falsch oder gar nicht aussprach. Als ich fünf Jahre alt war, stellte ein Arzt den Hörverlust fest und untersucht ihn genauer. Es wurden einige Tests gemacht, die sich im Laufe meines Lebens wiederholten und erweitert wurden. Es wurde auch ein Intelligenztest gemacht und festgestellt, was Schwerhörige oft erleben, dass ich intelligenter bin als es scheint. Das liegt an dem oft schwerfällig wirkendem Verhalten der Schwerhörigen.

Was ich getan habe

Mit sechs Jahren bekam ich Hörgeräte. Ich habe sie nur in der Schule im Unterricht getragen. Die Geräte waren klobig und mit meiner Brille dazu hatte ich das Gefühl vor lauter Geräten am Kopf wie eingeengt und zugestellt zu sein. Ich spielte wild, kletterte auf Bäume, und das war mit den Geräten unerfreulich. Ich wurde von normal hörenden Kindern auch gehänselt, wenn sie die Geräte sahen.

Meine ersten Erfahrungen mit Hörgeräten

Mit sechs Jahren bekam ich Hörgeräte und besuchte darauf 1 ½ Jahre eine Schule für Schwerhörige. Die Schule vermittelte mir viel Sicherheit, weil ich plötzlich ein ganz normales Kind war, das mit Leistungen nicht hinter anderen zurück blieb. Es wurde in sehr einfachen und kurzen Sätzen zu den Kindern gesprochen, wir lernten die Sprache vom Mund abzusehen, und sonst waren alle lustig und nett dort. Schon bald aber fühlte ich mich unterfordert und kam auf eine Schule für Normalhörende. Das war viele Jahre sehr schwer für mich, und ich musste mir meinen Platz in der „normalen“ Gesellschaft hart erkämpfen. Ich trug meine Hörgeräte während der ganzen Schulzeit nur im Unterricht oder im Kino und ähnlichen Situationen. Zu Hause oder draußen in der Natur fühlte ich mich ohne Hörgeräte freier.

Wie es mir jetzt geht

Jetzt bin ich 37 Jahre alt. Ich kann mit meiner Schwerhörigkeit sehr locker umgehen. Die Gräte sind viel besser und kleiner geworden, so dass sie kaum mehr auffallen, was mir aber inzwischen fast gleichgültig ist. Ich setze neue Bekanntschaften gleich zu Anfang über meine Schwerhörigkeit in Kenntnis, und die allermeisten reagieren angemessen darauf. Einige wenige fangen an zu schreien oder überdeutlich zu reden als wäre man nicht ganz dicht im Kopf. Darauf mache ich dann aufmerksam, worauf sie oft wieder nuscheln wie um zu beweisen, dass man doch blöd ist, weil man ja nichts versteht. Diesbezüglich habe ich ein dickes Fell bekommen, und ich weiß es jetzt besser. Ich habe gelernt meine Behinderungen zu akzeptieren. Ich habe sehr viele Erfahrungen gesammelt und daraus gelernt. Dennoch stelle ich es mir sehr schön vor, richtig hören und sehen zu können. Für mich sind Hörgeräte und Brillen künstliche und notwendige Hilfen. Gesunde Augen und Ohren sind aber unersetzliche und kostbarste Güter!

Weitere Produkte und Fähigkeiten, die mir geholfen haben

Sicher sind die Hörgeräte eine sehr große Hilfe in sehr vielen Situationen (Schule, Beruf, Uni, Ämter usw). Ohne die Hörgeräte käme ich in diesem Umfeld nicht klar. Aber meine Lebensfreude und meine Sicherheit verdanke ich meinen Freunden, meinen Haustieren, den unzähligen Büchern und der ganzen Kunst und Kultur die mich immer umgibt.

Meine Empfehlungen für andere

Man überschätzt meiner Meinung nach das häufige Tragen von Hörgeräten. Meine Bildung habe ich nicht dadurch, dass ich durch Hörgeräte mehr höre, sondern durch den Bildungshintergrund meiner Eltern. Ich lernte Klavier spielen. Mit dem Klavierspiel finanzierte ich mir später mein Chemiestudium. Ich war sehr viel, schon als kleines Kind, im Theater und in Konzerten. Das ist sehr förderlich gewesen. Meine dringenste Empfehlung ist, viel zu lesen! Sehr gut ist es auch ein Musikinstrument zu spielen, weil es die sozialen Kontakte fördert. Es ist falsch, seine Schwerhörigkeit zu verstecken. Wenn man selber locker und humorvoll damit umgeht, reagiert das soziale Umfeld mit Verständnis und genauso locker und humorvoll.


zurück zu anderen → Erfahrungsberichten